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Corporate Design mit KI: Dachmarke, Farben und Riffelglas für UNCANNY MINDS
Wie aus Dachmarke, Farben, Typografie und Riffelglas die visuelle Identität von UNCANNY MINDS entstand.
Zuerst ging es um den Markenauftritt von UNCANNY MINDS. Im ersten Gespräch mit Christian Schön stand die Frage im Mittelpunkt: Wie soll die Marke sichtbar werden? Gesucht waren eine eigene Bildsprache und ein Corporate Design, das Bootcamp, Strategie und Studio verbindet. Später übertrugen wir das Design auf die bestehende Website.
Was verbindet Bootcamp, Strategie und Studio? Und wie bleibt jeder Bereich erkennbar, ohne dass der Auftritt in drei Teile zerfällt?
Vom Team zur Marke: Wie Christian an UNCANNY MINDS herangegangen ist
Bevor es um Farben und Logo ging, wollten wir von Christian wissen, wie er die Aufgabe angepackt hat.
Interview mit Christian Schön
Wie bist du an die ersten Entwürfe für UNCANNY MINDS herangegangen?
Erst mal gar nicht über Gestaltung. Wir haben uns angeschaut, was das KI Marketing Bootcamp über Jahre aufgebaut hat. Sehr gute Aufklärung, ein starkes Team, viel Persönlichkeit und Nähe.
Irgendwann war der entscheidende Gedanke da. Dieses Team macht KI menschlich. Genau daraus musste das neue Corporate Design entstehen.
In seiner Präsentation vom 3. Juli zeigte Christian, woher wir kommen: Logo, Farben und Website des KI Marketing Bootcamps. Das Farbsystem bestand aus Schwarzblau und Weiß, ein gedecktes Gelb setzte den Akzent.
Seine farbenfrohe Bildsprache sollte an das anknüpfen, was wir über die Jahre aufgebaut haben: Menschen auf Augenhöhe begegnen und ihnen einen bewussten Umgang mit KI näherbringen. Dafür stellte er unsere bisherigen Motive in einer Collage zusammen, darüber der Satz „KI wird menschlich.“
Interview mit Christian Schön
Welche Richtung hast du verworfen und warum?
Am Anfang waren wir noch zu nah am bestehenden Auftritt. Das war sauber, aber es hätte der neuen Marke nicht gereicht. UNCANNY MINDS ist mehr als ein neuer Name für das KI Marketing Bootcamp. Die Marke brauchte eine eigene Haltung und eine eigene visuelle Idee.
Also haben wir uns vom Bestehenden gelöst und stärker aus dem Charakter des Teams heraus gestaltet. Klar und zugänglich, aber mit einer Irritation. Etwas, das hängen bleibt. Schließlich heißt die Marke nicht zufällig UNCANNY MINDS.
Christian hatte zunächst vier Ansätze mitgebracht: „Alles bleibt anders“, „Vroni & Georg“, „Uncanny?“ und „KI auf den Punkt gebracht“. In der Präsentation vom 3. Juli kombinierte er den zweiten und den dritten: die farbstarken Porträts aus Ansatz 2 und das Riffelglas aus Ansatz 3.
Dachmarke und Bereichsmarken: Farben für Bootcamp, Strategie und Studio
Christian brachte Vorschläge mit, die wir gemeinsam mit Vroni, Georg und Kathi durchsprachen. Nach ein, zwei Besprechungen und einigen Rücksprachen war die Richtung klar: UNCANNY MINDS wird die Dachmarke, darunter stehen Bootcamp, Strategie und Studio.
Wir wollten Farben, die auffallen und gleichzeitig Orientierung geben. Wer auf eine Fläche schaut, soll sofort wissen, wo er gerade ist. Die Dachmarke bekam Violett, das Bootcamp Gelb, die Strategie Türkis und das Studio Orange.
Christian zeigte die Farben in zwei Stufen. Zuerst gedeckt, dann mit etwas mehr Leuchtkraft. Sein Argument: Das Farbsystem gewinnt an Aufmerksamkeit und wirkt frischer, jünger und zeitgemäßer. Das Gelb blieb beim Bootcamp, damit die Wiedererkennung aus dem bisherigen Auftritt erhalten bleibt. Das Violett der Dachmarke bringt die subtile Fremdheit der Marke ins Farbsystem.
Wie das Riffelglas ins Spiel kam: Christians Geschichte
Interview mit Christian Schön
Wie kam das Riffelglas ins Spiel?
Die Geschichte ist ziemlich absurd. Wir sahen uns eine Grafik zum Uncanny Valley an. Als wir sie uns räumlich vorstellten und gedanklich drehten, erinnerte sie uns an Riffelglas. Der Gedanke passte sofort. Etwas Vertrautes bleibt erkennbar und verändert sich gleichzeitig. Es wirkt ein bisschen fremd, ohne unverständlich zu werden.
Erst war das nur eine fixe Idee. Dann haben wir gemerkt, dass daraus ein visuelles Prinzip werden kann, das der neuen Marke Aufmerksamkeit und Wiedererkennung gibt.
Im Call zeigte Christian den Graphen noch einmal. Über das Uncanny Valley hatte er eine Welle gelegt, die das Riffelglas schon andeutet.
Interview mit Christian Schön
Welche Entscheidung habt ihr gemeinsam am längsten diskutiert?
Eigentlich keine. Und genau das war das Besondere an der Zusammenarbeit.
Wir hatten relativ früh ein gemeinsames Verständnis davon, was die Marke sein soll. Danach ging es weniger darum, Entwürfe zu verteidigen. Einer hat einen Gedanken eingebracht, der nächste hat ihn aufgenommen und weitergedreht.
So sollte Zusammenarbeit im besten Fall funktionieren. Nicht darum kämpfen, wessen Idee gewinnt, sondern gemeinsam dafür sorgen, dass die Idee besser wird.
Logo, Typografie und Riffelglas-Effekt als Markenelement
In derselben Phase entstand das Logo. Uns gefiel das Spiel aus dicken und dünnen Elementen, und es passte zum Riffelglas aus Christians Geschichte. Riffelglas zerlegt ein Motiv in senkrechte Streifen. Jeder Streifen greift einen breiteren Ausschnitt ab, staucht ihn zusammen und setzt ihn leicht versetzt neben den nächsten. Aus einer ruhigen Fläche wird ein Rhythmus aus dick und dünn.
Diesen Wechsel haben wir zum wiederkehrenden Element unserer Bildsprache gemacht. Nebenbei schlägt er eine Brücke zu unserem Namen: Hinter dem Glas sieht alles vertraut aus und stimmt doch nicht ganz.
Beim Logo standen am 10. Juli zwei Schriften zur Wahl: Unbounded und F37 Moon. Unbounded erzeugt mehr Spannung und Wiedererkennung, F37 Moon besticht durch Klarheit und Ausgewogenheit. Christians persönlicher Favorit war die Mischung. Unbounded bildet die Basis der Wortmarke, F37 Moon setzt alles, was Information vermittelt.
Am 16. Juli übergab Christian uns den Brand Guide in Version 1.0: Logo und Logoverwendung, Farben, Typografie und Bildsprache. Damit hatten wir eine gemeinsame Grundlage für die Website.
Vom Corporate Design zum ersten Website-Entwurf mit Claude
Im nächsten Meeting stand die Frage im Raum: Wie arbeiten wir mit diesen Vorgaben weiter? Wir machten die Designunterlagen zur Grundlage für einen Skill in Claude. Ein Skill bündelt Anweisungen und Referenzmaterial, auf die Claude bei einer bestimmten Aufgabe immer wieder zurückgreift. Unser Auftrag an Claude: die bestehende Website im neuen Design umgestalten.
Der erste Entwurf war noch nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Und trotzdem war erstaunlich viel schon da: die Farben, der Wechsel zwischen leichter und fetter Schrift, erste Ansätze der neuen Gestaltung. Die Richtung war erkennbar. Stimmig war das Ganze noch nicht.
Also setzten wir uns mit Christian noch einmal zusammen und gingen den Entwurf Stück für Stück durch. Was funktioniert schon? Was braucht mehr Gewicht? Was soll ganz anders aussehen? Die Notizen aus diesem Call gaben wir an Claude zurück und verbesserten damit den Skill. Aus der Designübergabe wurde so ein gemeinsamer Lernprozess direkt am Entwurf.
Designgespür in Regeln übersetzen: Wie KI ein Corporate Design versteht
Du siehst einen Entwurf und merkst sofort: Irgendetwas ist noch nicht rund. Dieses Urteil kommt aus Erfahrung. Im Team reicht es oft als Rückmeldung, weil die anderen wissen, was gemeint ist. Eine KI weiß das nicht. Sie braucht eine Entscheidung, die sich beschreiben lässt.
Christian nennt das „implizites Gespür explizit machen können“. Welche Stelle wirkt unruhig? Welche Betonung fehlt? Welche Regel der Bildsprache wurde verfehlt? Genau dieses Übersetzen war der Kern unseres gemeinsamen Calls.
Das Gespür wird dadurch nicht überflüssig. Es erkennt auch Probleme, für die es noch keine Regel gibt. Aber jedes Mal, wenn wir eine Beobachtung in ein Kriterium und ein Beispiel übersetzen, können andere damit weiterarbeiten: Menschen genauso wie KI-Werkzeuge.
Design Tokens: Gestaltungswerte mit festem Namen
Ein Design Token ist ein eindeutig benannter, wiederverwendbarer Gestaltungswert: eine Farbe, ein Abstand, eine Schriftgröße. Statt „unser kräftiges Lila“ steht im System ein fester Name für genau diesen Farbwert. Alle Elemente, die diese Farbe brauchen, greifen auf denselben Wert zu.
Christian zieht dabei eine hilfreiche Linie. Entscheidend ist nicht Print oder Digital, sondern: Wird etwas einmal als fertige Datei abgeliefert, etwa ein Plakat oder eine Anzeige? Oder wird es immer wieder automatisiert ausgespielt, wie eine Website, Social-Vorlagen, E-Mails oder Landingpages? Überall dort, wo Inhalte wiederkehrend aus einem System entstehen, lohnt sich Token-Wissen. Auch dann, wenn du selbst nie eine Zeile Code schreibst.
Designsystem für KI: Wie Farbwerte, Typografie und Bildregeln zusammenwirken
Ein Farbwert sagt, welches Violett wir verwenden. Er sagt nicht, wo es hingehört, wie viel Fläche es bekommt oder welches Bild dazu passt. Dafür braucht es Regeln und Beispiele, die zeigen, wie die Regeln gemeint sind.
Einige davon haben wir bereits festgehalten: Auf Markenfarbflächen steht schwarze Schrift. Überschriften sind leicht gesetzt; fett wird nur der Teil, der die Aussage trägt. Und Beitragsbilder folgen anderen Bildregeln als Porträts.
Wie so etwas im Brand Guide aussieht, zeigen zwei Seiten. Das Riffelglas gilt nur für inszenierte Markenbilder und nie für Reportage. Es darf dezent oder prägnant sein, partiell oder flächig, aber immer großzügig und selbstbewusst. Beim Logo steht, was nicht passieren darf: keine Schatten, keine Verzerrung, keine Farbe. Es gibt das Logo nur in Schwarz oder Weiß.
Solche Vorgaben geben Menschen und KI-Werkzeugen dieselbe Grundlage. Ob ein Ergebnis sie einhält und gestalterisch überzeugt, prüfen wir trotzdem jedes Mal.
Design mit KI: Wie sich die Rolle verändert
Zwischen einer Designidee und ihrer Anwendung liegt mehr Arbeit, als man denkt. Das hat unser Projekt deutlich gezeigt. Christian legte die gestalterische Grundlage. Kathi und Vroni machten daraus konkrete Seiten und brachten Fragen aus der Umsetzung zu ihm zurück. Mit jeder Runde wurden die Vorgaben genauer.
KI verändert gerade, wie Kommunikationsinhalte entstehen: Posts, Blogbeiträge, Kampagnenmaterial, digitale Assets. Für Kommunikationsdesigner:innen, Grafiker:innen und Art Directors stellt sich damit eine gestalterische Frage: Was bedeutet es für das Designsystem und die eigene Rolle, wenn ein Teil der Umsetzung von KI-Systemen kommt?
Interview mit Christian Schön
Wie hat sich die Zusammenarbeit mit KI im Laufe des Projekts verändert?
Am Anfang fühlt es sich ein bisschen an wie mit einem Praktikanten am ersten Tag. Man muss ziemlich genau erklären, was man eigentlich will. Dabei merkt man übrigens auch sehr schnell, ob man das selbst überhaupt weiß …
Mit der Zeit wird die Zusammenarbeit präziser. Man versteht besser, welches System was kann, wie man Aufgaben formulieren muss und an welcher Stelle man eingreifen sollte.
Das Spannende ist für mich, dass der Prozess neu ist, die grundlegende Arbeitsweise aber gar nicht so sehr. Man braucht eine Idee, eine Haltung und eine Vorstellung davon, was gut ist.
KI kann dann sehr viel leisten. Aber sie nimmt einem diese Entscheidungen nicht ab. Zum Glück!
Das Designsystem bekommt einen zweiten Adressaten
Bisher war ein Styleguide für Menschen gemacht: für Kolleg:innen, Agenturen und Dienstleister:innen, die ihn lesen und im Zweifel mit Erfahrung auslegen. Jetzt liest noch jemand mit: ein KI-System. Es interpretiert Regeln nicht wie ein Mensch, sondern verarbeitet sie als Kontext und erzeugt daraus eigene Varianten, Layouts oder Assets.
Vieles, was bisher im Gespür erfahrener Gestalter:innen lag, muss deshalb ausgesprochen werden: Farbwelt, Bildsprache, Rasterlogik, Kompositionsprinzipien. Klare Regeln helfen KI-Systemen, Gestaltungsvorgaben wiederholt anzuwenden, statt bei jeder Anfrage neu zu raten. Designteams prüfen weiterhin, ob das Ergebnis zur Marke passt.
Designteams prägen den Prozess vor und nach der Generierung. Sie legen Regeln fest, wählen Varianten aus und prüfen, ob das Ergebnis zur Marke passt.
Drei Verschiebungen im Arbeitsalltag
Vom Ausführen zum Regeln-Definieren. Die Frage lautet seltener „Wie sieht das Motiv aus?“ und öfter „Nach welchen Kriterien darf ein System überhaupt Motive erzeugen und wo sind die roten Linien?“
Kuratieren als eigene Kompetenz. Wenn Tools direkt im Layoutprogramm Varianten erzeugen, liegt der Wert zunehmend darin, aus vielen Optionen die richtige zu erkennen, sie zu verfeinern und zu begründen, warum sie zur Marke passt.
Systemdenken statt Einzelstück. Ein einzelnes gutes Motiv reicht als Nachweis guter Arbeit nicht mehr. Wichtiger wird, ob Farbwerte, Typografie-Skalen und Bildregeln so sauber beschrieben sind, dass viele automatisch erzeugte Varianten trotzdem wie aus einem Guss wirken.
Corporate Design für KI fit machen: Was Gestalter:innen mitnehmen können
Interview mit Christian Schön
Was rätst du Gestalter:innen, die ihr Designsystem für KI fit machen wollen?
Ein gutes Designsystem muss für generative KI Dinge ausdrücklich beschreiben, die gute Gestalter:innen bisher oft intuitiv verstanden haben.
Was macht die Marke aus? Welche Prinzipien sind verbindlich? Was darf sich verändern? Was darf auf keinen Fall passieren? Welche Rolle spielen Typografie, Bildsprache, Komposition oder Tonalität?
Je genauer diese Grundlagen formuliert sind, desto besser können Menschen und generative Systeme damit arbeiten.
Für mich liegt genau da der entscheidende Schritt. Nicht möglichst viele Prompts sammeln, sondern die Idee hinter einem Design so gut verstehen, dass man sie übersetzen kann.
Unser Tipp zum Mitnehmen
Nimm eine Rückmeldung, die bisher nur ein Gefühl beschreibt. Benenne die konkrete Stelle, erkläre die gewünschte Wirkung und ergänze ein Beispiel. Halte das im Designsystem fest. Dann verbessert es auch die nächste Überarbeitung.
AI Humanbiologin mit Schwerpunkt Neurowissenschaften, seit 2024 bei uncanny minds. Verantwortet Content, Kommunikation und Community, betreut die Google Ads und entwickelt die Website. Arbeitet täglich mit KI-Agenten und schreibt auf, was davon funktioniert und was nicht.
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