Zum Inhalt springen
Aus KI Marketing Bootcamp wird uncanny minds.Neuer Name. Gleiche Haltung. Mehr Möglichkeiten.Was sich ändert
Erstgespräch
← Zurück zu Alles KI.
Stammtisch-Szene aus dem Spot: Ein Mann holt zur Watschn aus, rechts steht Konrad mit Vokuhila, Pilotenbrille und mintfarbenem Hemd und hält eine Tube Kleber in der HandKI im EinsatzAI

KI im Einsatz

Ein Werbespot mit KI an einem Wochenende: Vorgehen, Best Practices und Fallstricke

Ein kompletter Werbespot für ein Produkt, das es nicht gibt: 218 Generierungen, 8 Shots im Film, etwa 4 Stunden Aufwand. Das Vorgehen, die Best Practices und drei Fails.

Veröffentlicht 8 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

An einem Wochenende ist mit etwa 4 Stunden Aufwand ein kompletter Werbespot für ein Produkt entstanden, das es nicht gibt: Konrads Spezialkleber. Dafür waren 218 Generierungen nötig (110 Bilder, 108 Videoclips) und rund 83.000 Magnific Credits. Im fertigen Spot stecken davon 8 Shots, im Schnitt landet also etwa jeder 13. Clip im Film.

Ein Werbespot mit KI an einem Wochenende: Vorgehen, Best Practices und Fallstricke

Dieses Video liegt bei YouTube. Wenn Sie es laden, werden Ihre IP-Adresse und Angaben zu Ihrem Gerät an den Anbieter übertragen, der dabei auch Cookies setzen kann. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Das Wichtigste in Kürze: An einem Wochenende ist mit etwa 4 Stunden Aufwand ein kompletter Werbespot für ein Produkt entstanden, das es nicht gibt: Konrads Spezialkleber. Dafür habe ich 218 Generierungen gebraucht (110 Bilder, 108 Videoclips) und rund 83.000 Magnific Credits verbraucht. Im fertigen Spot stecken davon 8 Shots, im Schnitt landet also etwa jeder 13. Clip im Film.

Die Idee: Konrad repariert die Welt

Die Idee kam mir am Wochenende, als wir zu Hause Pippi Langstrumpf geschaut haben: Wie würde Konrad heute aussehen?

Konrad ist Mitte zwanzig und trägt einen blonden Vokuhila, eine silberne Pilotenbrille, einen dünnen Schnauzer und ein mintfarbenes Hemd mit riesigem Kragen. Er sieht aus wie aus den 70ern gefallen, lebt aber im Heute. Seine Lösung für jedes Problem der Welt ist dieselbe.

Der Aufbau ist einfach: Eine Off-Stimme stellt eine Frage, Konrad antwortet trocken in die Kamera: „Kleben.“

  • Wie bleibst du eigentlich so bodenständig? Konrad hängt kopfüber an der Decke.
  • Ihr streitet? Er klebt ein schmollendes Paar auf dem Sofa zusammen.
  • Anschluss verpasst? Er hält den abfahrenden Zug mit der Hand fest.
  • Die Gesellschaft gespalten? Am Stammtisch wird aus einer Watschn ein Streicheln.
  • Das Eis bricht weg? Er gießt Kleber in die Gletscherspalte.
  • Der Mond zerbricht?! Jumpcut: Konrad im Retro-Raumanzug auf dem Mond.

Zum Schluss kommt der Claim: Konrads Spezialkleber. Hält, was nicht zu halten ist.

Das Ganze ist ein Spec Ad, also eine Fingerübung ohne Kunden. Ich wollte wissen, wie weit man 2026 mit KI kommt, wenn der Spot nach echtem Film aussehen soll und nicht nach KI.

Das Vorgehen in 7 Schritten

Der Spot entsteht Szene für Szene, nicht mit einem einzigen Monster-Prompt. Das Prinzip kennst du vielleicht schon aus meiner Werbekampagne für eine fiktive Taucheruhr: Jeder Shot wird einzeln generiert, dann wird hart geschnitten. Geht ein Clip schief, generierst du nur diesen einen neu.

  1. Storyline und VO-Text festlegen. Bevor ein einziges Bild entsteht, steht der Sprechertext. Er gibt den Rhythmus vor, also wie lang jede Szene sein darf und wann Konrad spricht.
  2. Charactersheet für Konrad bauen. Ein Blatt mit Konrad von vorne, seitlich und in Ganzkörper. Es hängt als Referenz an jedem einzelnen Bild und Clip. Wichtig war mir: markant und nicht zu perfekt, sonst sieht er nach KI aus.
  3. Packshot der Tube freigeben. Rot-weiß, schwarzer Deckel, Etikett mit Namen. Auch die Tube läuft als feste Referenz durch alle Szenen.
  4. Bildstil fixieren. Alle Bildprompts nutzen denselben Block für Kamera, Objektiv, Farblook und Negativliste: ARRI Alexa Mini LF, gedämpfte natürliche Farben, feines Filmkorn, kein HDR, kein Werbeglanz. Warum das so viel bringt, steht in meinem Beitrag KI-Bilder ohne Einheitsbrei.
  5. Startbilder generieren. Pro Szene ein Startbild mit Nano Banana 2.1 in 4K, meist mit 4 bis 8 Varianten zur Auswahl. Das Startbild ist Frame 0 des Clips und entscheidet fast alles. Wie man solche Bilder baut, steckt in meinem Startbilder-Skill.
  6. Clips mit Minimax H3 generieren. In 2K und 16:9, im Modus Ref2VA: Charactersheet, Packshot und Startbild gehen als Referenzen rein, der Prompt beschreibt Handlung, Timing, Dialog und Sound. Die Prompts habe ich mit meinem Minimax-H3-Prompting-Skill geschrieben.
  7. Voiceover, Musik und Schnitt. Das VO kommt von ElevenLabs v4 mit der Stimme „Hans“, einem lauten deutschen Hard-Sell-Sprecher. Pausen und Betonung steuere ich über Tags im Text, dazu passt mein ElevenLabs-Prompting-Skill. Konrads „Kleben.“ kommt direkt aus dem H3-Clip.
Charactersheet von Konrad: Vorder-, Seiten- und Ganzkörperansicht als feste Referenz für alle Bilder und Clips
Das Charactersheet von Konrad hängt als Referenz an jedem Bild und jedem Clip.
Der Feinschnitt mit Voiceover, Musik und Clips in CapCut
Der Feinschnitt mit Voiceover, Musik und Clips in CapCut.

Die ganze Produktion lief in einem Magnific Space. Jede Szene ist eine Zeile: Label, Startbild, Prompt, Video-Generator und eine Liste, in der alle Varianten zum Vergleich landen. So siehst du auf einen Blick, welche Szene steht und wo es noch hakt. Dasselbe Schema habe ich schon für meinen Kinderbuch-Animationsfilm genutzt.

Der Magnific Space mit einer Zeile pro Szene: Startbild, Prompt, Video-Generator und Variantenliste
Der Magnific Space mit einer Zeile pro Szene.

Der größte Zeithebel war Claude mit dem Magnific MCP. Claude hat die Prompts geschrieben, die Nodes im Space angelegt und verbunden, Varianten gestartet und die Ergebnisse vorsortiert. Ich habe ausgewählt, bewertet und dort eingegriffen, wo es nötig war. Ohne diese Arbeitsteilung wären 4 Stunden nicht möglich gewesen.

Wie ein solcher Anschluss funktioniert, habe ich in MCP einfach erklärt aufgeschrieben. Wer es live lernen will: In unseren zwei Abenden zeigen wir, wie du Claude oder ChatGPT per MCP mit deinen Tools verbindest. Ohne Programmieren.

Best Practices

Was nicht im Startbild steht, passiert auch nicht

Die wichtigste Lektion aus dem Projekt: H3 kann eine Tube im Clip nicht zuverlässig umdrehen oder aufschrauben. Deshalb gehört der Zustand vor der Aktion ins Startbild: Deckel ab, Spitze nach unten, Hand an der richtigen Stelle. Der Clip muss dann nur noch die eine Bewegung zeigen, die neu ist.

Keine Seiten im Prompt, die dem Bild widersprechen

„Linke Hand“ und „rechte Hand“ sind gefährlich, wenn das Startbild es anders zeigt. Besser beschreibst du die Hand über ihre Funktion, zum Beispiel „die Hand, die vom Zug weg zeigt“ oder „die Hand mit der Tube“.

Zahlen und Zeitmarken setzen

H3 hält sich erstaunlich gut an Zeitangaben. „At 00:01.700 squeeze, at 00:02.300 toss the tube“ funktioniert deutlich besser als „dann“ und „danach“. Genauso wichtig sind Mengen: genau EINE Tube, genau EINE 180-Grad-Drehung, Zusammendrücken genau EINMAL.

Pausen für das Voiceover einplanen

Wenn das VO eine Frage stellt, muss Konrad vorher schweigen. In Szene 01 bleibt er die ersten 4 Sekunden still und sagt erst bei 4,3 Sekunden „Kleben.“. Ohne diese Pause redet er der Off-Stimme ins Wort.

Nur einer spricht

Alle anderen Figuren bekommen im Prompt ausdrücklich geschlossene Lippen. Sonst redet am Stammtisch plötzlich der ganze Tisch mit, und du bekommst Fantasie-Deutsch auf der Tonspur.

Magie passiert von selbst

Der Kleber verschwindet im Spalt, und die Teile schließen sich von alleine: Gletscher, Mond, Zug. Wenn Konrad das alles per Hand machen soll, wird die Physik schnell absurd, und zwar im falschen Sinn.

Varianten in eine Vergleichsliste

Ich lasse pro Startbild 4 bis 8 Varianten laufen und sammle sie in einer Liste im Space. Ausgewählt wird dann von Hand. Die KI generiert, die Regie entscheidet.

Nahaufnahme im Magnific Space: Startbild, Prompt und die Liste mit allen Varianten einer Szene
Nahaufnahme einer Szenenzeile: Charactersheet, Packshot, Label und Startbild hängen als Referenzen am Clip.

Fallstricke: drei Fails aus dem Projekt

1. Die doppelte Tube

In Szene 02 sollte Konrad mit einer Hand den Deckel abziehen und mit der anderen kleben. Stattdessen hatte er plötzlich zwei Tuben in der Hand. Als das behoben war, drückte er am falschen Ende. Geholfen hat am Ende nur ein neues Startbild, in dem die Tube schon offen ist und nach unten zeigt. Dazu kam ein schneller One-Shot statt drei Einzelshots.

So sah einer der Fehlversuche mit dem Paar aus:

Fail beim Clip mit dem Paar auf dem Sofa

Dieses Video liegt bei YouTube. Wenn Sie es laden, werden Ihre IP-Adresse und Angaben zu Ihrem Gerät an den Anbieter übertragen, der dabei auch Cookies setzen kann. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Bei YouTube ansehen →
Ein Fehlversuch aus Szene 02: Das Paar auf dem Sofa.

2. Der Schleudergang

In Szene 01 sollte sich die Kamera genau einmal um 180 Grad drehen, damit man sieht: Konrad hängt an der Decke. H3 hat den Raum gedreht wie eine Waschmaschine. Die Lösung war eine harte Zahl im Prompt („exactly ONE 180-degree roll“), Start- und Endzeit der Drehung und Konrads Gesicht als fixer Mittelpunkt.

3. „Niemand steigt aus.“

In Szene 03 bremst Konrad den abfahrenden Zug mit der Hand, damit drei Pendler noch einsteigen können. H3 hat trotzdem jedes Mal Leute aussteigen lassen, weil Bahnszenen nun mal so aussehen. Bis das saß, brauchte es 22 Versuche, ein neues Startbild näher am Gleis und den Satz „NOBODY gets off“ in Großbuchstaben.

Das Muster hinter allen drei Fails: Das Modell fällt auf das Typische zurück. Je ungewöhnlicher die Handlung, desto genauer muss das Startbild sie vorbereiten und desto klarer muss der Prompt sagen, was nicht passieren soll.

Die Zahlen: Wo die Arbeit wirklich steckte

Am aufwändigsten war nicht der zerbrechende Mond, sondern ein Paar auf dem Sofa. Effekte schafft H3 gut, an präzisen Handgriffen scheitert es am häufigsten.

SzeneClipversuche
02 Das Paar36 (davon 9 für eine verworfene 3-Shot-Version)
03 Bahn-Anschluss22
01 Decke17
05 Gletscher9
06b Konrad auf dem Mond9
04 Stammtisch-Watschn6
06a Mond zerbricht6
07 Packshot3
Gesamt108

Dazu kommen 110 Bilder für Charactersheet, Packshot und Startbilder, insgesamt rund 83.000 Magnific Credits bei etwa 4 Stunden Aufwand übers Wochenende.

Der Credit-Verbrauch des Projekts in Magnific: rund 83.000 Credits
Der Credit-Verbrauch des Projekts in Magnific: rund 83.000 Credits.

Was mir noch nicht gefällt

  • Die Beschriftung auf dem Zug. Schrift in der Umgebung ist bei Video-KI immer noch ein Schwachpunkt.
  • Der Look muss schärfer werden. Insgesamt fehlt noch Detail und Knackigkeit.
  • Mehr Dynamik. Der Spot müsste auf unter 30 Sekunden.

Das ist der Unterschied zwischen einer Fingerübung und einer Produktion. Wer perfekte Konsistenz und eine Qualität will, die auch für Marken taugt, sollte mit mindestens 24 bis 40 Stunden Aufwand rechnen. Die Zeit geht in mehr Varianten pro Shot, sauberes Upscaling, Retusche, Feinschnitt und Sounddesign.

Fazit

KI macht Werbefilm nicht auf Knopfdruck. Sie macht Regie zur Fleißarbeit. Mit festen Referenzen, einem fixierten Bildstil und guten Startbildern kommt man 2026 trotzdem erstaunlich nah an echten Film, und zwar ohne Set, Crew und Drehtag. Wer „Prompt rein, Spot raus“ erwartet, wird enttäuscht. Wer plant wie bei einem echten Dreh, bekommt einen Spot.

Die Skills zum Nachbauen

Diese drei Skills habe ich schon für meinen Kinderbuch-Animationsfilm geschrieben und hier unverändert wiederverwendet. Jede Regel in diesen Dateien steht dort, weil vorher etwas kaputt war.

Kostenlos zum Herunterladen

Die drei Skills aus diesem Projekt

Als ZIP mit der jeweiligen SKILL.md. Ohne Anmeldung, ohne Formular.

Zum Einbauen in Claude den jeweiligen Ordner ins Skills-Verzeichnis legen, fertig. Wie die Skills entstanden sind und was in ihnen steckt, steht im Beitrag zum Kinderbuch-Animationsfilm.

Du willst das selbst können?

Genau für Leute wie dich ist der KI-Intensivkurs für Kreative gedacht: Grafikerinnen, Art Directors, Motion Designer, Content-Kreative. An einem Tag, live online, baust du mit uns eine eigene Kampagne mit KI. Mit Charactersheet, Startbildern, bewegtem Bild und Ton, also genau dem Weg aus diesem Beitrag, nur mit deinem Thema und mit uns an deiner Seite, wenn H3 mal wieder zwei Tuben in die Hand drückt.

Zum KI-Intensivkurs für Kreative →

Wenn du erst die Technik dahinter verstehen willst, schau dir unsere zwei Mini Bootcamps an: den Claude MCP Kurs und den ChatGPT MCP Kurs. Zwei Abende, in denen du die KI mit deinen Werkzeugen verbindest und Abläufe baust, die von selbst laufen.

Weiterlesen

Du willst so etwas für deine Marke oder lernen, wie es geht? Schau dir das KI Studio und unsere Weiterbildungen an.

Weiterdenken

Ihr wollt solche Bildwelten selbst produzieren?

Statt bei jedem Motiv neu zu würfeln, bauen wir in KI Studio einen Prozess, der eure Marke zuverlässig trifft, auch bei der zwanzigsten Variante.

Minimax H3Nano BananaVideogenerierungWerbespot KIMagnificElevenLabsCharakterkonsistenz
Georg NeumannAI
uncanny mindsZum Profil →

Grafikdesigner, Dozent für generative Bild-KI und Keynote Speaker. Leitet das KI Studio von uncanny minds und ist Co-Autor des O'Reilly-Buchs Content Marketing mit KI.