KI im EinsatzAIKI im Einsatz
Druckdaten mit KI erstellen: Wie Claude eine druckfertige Visitenkarte baut
Claude hat meine Visitenkarte gestaltet und die Druckdatei für Flyeralarm gleich mitgebaut: PDF/X-3, Schrift in Pfaden, Schwarz in 100 K. Was funktioniert, wo es gehakt hat und was du dafür brauchst.
Diese Woche hat Claude meine neue Visitenkarte gestaltet. Als Druckdatei für Flyeralarm, fertig zum Hochladen. PDF/X-3, Profil ISO Coated v2 300 %, Schrift in Pfaden, Text in 100 K, Tiefschwarz auf den Flächen.
Ich komme aus der Agentur. Druckdaten habe ich jahrelang selbst gebaut, in InDesign, mit Joboptions, Ausgabevorschau und dem einen Anruf der Druckerei, den keiner haben will. Ich weiß also ziemlich genau, wo es bei Print knirscht.
Und ich war überrascht, wie wenig geknirscht hat.
Zum Mitnehmen · Markenunabhängig
Der Druckdaten-Skill für deine Projekte
Die Druckregeln und Werkzeuge zum Ausprobieren: mit PDF/X-3-Konvertierung, Prüfbericht, ICC-Profil, InDesign-Exportvorgabe und einer Visitenkarten-Vorlage. Deine eigenen Markenfarben trägst du in farben.json ein.
- Druckdaten-Skill herunterladenZIP · 1,4 MB · Ohne Anmeldung
Für Claude, ChatGPT und Langdock: Lade das ZIP herunter und füge den Druckdaten-Skill in deinem KI-Tool hinzu. Hinweise zur Einrichtung findest du in der LIESMICH.md im Paket. Datenblatt, Proof und Freigabe bleiben Teil deiner Arbeit.
Das Problem mit Bild-KI und Druck
Bild-KI macht inzwischen schöne Bilder. Sogar mit lesbarer Schrift. Druckdaten macht sie trotzdem nicht.
Ein generiertes Bild ist RGB. Die Schrift ist Pixel. Und Schwarz ist #000000, was am Bildschirm schwarz aussieht und im Druck zum Problem wird. Lässt du das automatisch in CMYK umrechnen, wird aus deinem Schwarz ein Vierfarbschwarz, zum Beispiel 75/68/67/90.
Das sind 300 % Farbauftrag. Kleine Schrift bekommt farbige Blitzer, sobald die Platten minimal versetzt sind. Schwarze Schrift auf Farbflächen spart aus, statt sauber überzudrucken. Richtig wäre für Text 0/0/0/100. Das weiß jede Druckvorstufe. Ein Bildmodell weiß es nicht, und es kann damit auch nichts anfangen.
Was diesmal anders war: Claude hat zuerst die Marke gelesen
Wir haben unser Corporate Design als Skill für Claude aufgeschrieben. Kein Moodboard und kein „modern, klar, hochwertig“. Regeln.
- Markenfarben mit festen CMYK-Werten, zum Beispiel Orange 0/50/75/0
- Schwarz für Text und Feines 0/0/0/100, für große Flächen 40/30/30/100
- Schrift, Logos, Raster und Abstände als Dateien
- Druckregeln nach Flyeralarm-Standard: Profil, Beschnitt, Farbauftrag, keine Schnittmarken
- Fertige Vorlagen, unter anderem die Visitenkarte
Damit arbeitet Claude nicht nach Stimmung. Es schlägt nach. Und genau das ist der Unterschied zu „Mach mir mal was in unserem Stil“.
Wenn du die Regeln deiner eigenen Marke für KI aufschreiben willst: Unser Markenkern-Framework hilft dir, Tonalität, Designregeln und Bildsprache so festzuhalten, dass eine KI damit arbeiten kann.
Der Weg zur Druckdatei
- Marke lesen. Claude zieht sich Farben, Schrift, Logo und Druckregeln aus dem Skill.
- Layout als Code. Die Karte entsteht als HTML: 87 × 57 mm Datenformat, also 85 × 55 mm Endformat plus 1 mm Beschnitt. Der Browser rechnet daraus ein Vektor-PDF. Keine Screenshots, keine Pixel.
- Druck-PDF und Prüfung. Ein Skript macht daraus PDF/X-3, so wie unsere InDesign-Vorgabe: Schrift in Pfade, Markenfarben auf die festen CMYK-Werte, Schwarz auf 100 K. Danach prüft Claude Boxen, RGB-Reste, Farbauftrag und Schriften.
- Freigabe. Ausgabevorschau ansehen, Datenblatt lesen, Proof bestellen. Das mache ich.
Der Prüfbericht
| Prüfpunkt | Ergebnis |
|---|---|
| Standard | PDF/X-3:2002, PDF 1.3 |
| Ausgabeprofil | ISO Coated v2 300 % (ECI) |
| Datenformat | 87 × 57 mm, Endformat 85 × 55 mm, Beschnitt 1 mm |
| RGB übrig | 0 |
| Farbauftrag des Tiefschwarz | 200 % bei 40/30/30/100 |
| Maximal zulässiger Gesamtfarbauftrag | 300 % |
| Schriften | keine, alles in Pfaden |
| QR-Code | aus der fertigen Datei zurückgelesen, Ziel stimmt |
Die 200 % beziehen sich auf unser Tiefschwarz für große Flächen. Für den Gesamtfarbauftrag gilt eine Obergrenze von 300 %. Bei der Farbwandlung nach ISO Coated v2 300 % (ECI) begrenzt das Profil den Farbauftrag entsprechend. Direkt gesetzte CMYK-Werte werden zusätzlich geprüft.
Den QR-Code hat Claude übrigens aus dem fertigen PDF wieder ausgelesen. Weil ein QR-Code, der auf der Karte gut aussieht und ins Leere führt, genau der Fehler ist, den du erst nach 500 Stück bemerkst.
Wo es gehakt hat
Zwei Stellen. Beide lehrreich.
Die Karte war 2 mm zu klein. Unsere Rillen-Textur auf der Vorderseite wird für den Druck durch echte Streifen ersetzt. Ein paar davon ragten unsichtbar über die Kante. Der Browser hat daraufhin beim Drucken die ganze Seite verkleinert, auf rund 85 statt 87 mm. Im Beschnitt wäre rechts und unten ein grauer Rand gelandet. Gefunden hat Claude das, weil es sich die Kanten der Datei bei 1200 dpi angesehen hat. Der Fehler steckte in unserer eigenen Vorlage. Behoben ist er jetzt dort und in der Karte.
Das Violett. Ich habe die Datei in Acrobat geöffnet, Ausgabevorschau, Farbplatten. Violett stand auf 60/60/0/0. Genau so, wie es im Brand Guide steht. Claude hatte also alles richtig gemacht. Mir war es trotzdem zu blau. Wir haben auf 60/65/0/0 gewechselt, Datei neu gebaut, Skill aktualisiert.
Das ist für mich der eigentliche Punkt. Claude hat den Wert sauber umgesetzt und erklärt, warum er so ist. Entschieden habe ich. Mit zwanzig Jahren Gefühl dafür, wie Violett auf gestrichenem Papier aussieht.
Was das für dein Team heißt
KI ist ein Verstärker. Sie verstärkt dein Handwerk oder dessen Fehlen. Bei Print gilt das doppelt: Wer seine Druckregeln nicht kennt, bekommt sie auch von Claude nicht.
Wenn du das selbst ausprobieren willst, fang so an:
- Schreib deine Druckregeln auf. CMYK-Werte deiner Markenfarben, Schwarz für Text und Fläche, Profil, Beschnitt, Mindestgrößen. Die meisten Teams haben das irgendwo in einem PDF von der Agentur. Hol es raus.
- Bau Vorlagen statt Einzelstücke. Eine Visitenkarte als Vorlage mit Platz für Namen ist zehnmal mehr wert als zehn einzeln gestaltete Karten.
- Mach die Prüfung zur Ja-Nein-Liste. „Steht irgendwo Text in RGB-Schwarz?“ kann eine KI beantworten. „Sieht gut aus?“ nicht.
- Den Proof machst du. Datenblatt der Druckerei lesen, bei großen Farbflächen einen Proof bestellen. Das bleibt Handwerk.
Die Visitenkarte ist fertig. Bestellt ist sie noch nicht, das Violett schaue ich mir vorher noch einmal auf Papier an.
Wenn du Claude mit deinen Tools verbinden und wiederkehrende Abläufe als Skills festhalten willst, ist unser Claude-MCP-Kurs der passende Einstieg. An zwei Abenden geht es um Tool-Anbindungen, präzise Anweisungen und Routinen für Marketing und Design.
Wenn du so einen Brand-Skill für deine Marke willst, mit dem Claude in deinem Corporate Design gestaltet, bis zur Datei für die Druckerei: Das bauen wir im KI Studio. Entdecke Markenkern für deine Marke.
PS: Die Grafiken und das LinkedIn-Karussell zu diesem Text hat auch Claude gebaut. Mit demselben Skill.
Weiterdenken
Ihr wollt solche Bildwelten selbst produzieren?
Statt bei jedem Motiv neu zu würfeln, bauen wir in KI Studio einen Prozess, der eure Marke zuverlässig trifft, auch bei der zwanzigsten Variante.
AIGrafikdesigner, Dozent für generative Bild-KI und Keynote Speaker. Leitet das KI Studio von uncanny minds und ist Co-Autor des O'Reilly-Buchs Content Marketing mit KI.
Weiterlesen
Das könnte dich auch interessieren.
- 01
KI im EinsatzEin Werbespot mit KI an einem Wochenende: Vorgehen, Best Practices und Fallstricke
Ein kompletter Werbespot für ein Produkt, das es nicht gibt: 218 Generierungen, 8 Shots im Film, etwa 4 Stunden Aufwand. Das Vorgehen, die Best Practices und drei Fails.
- 02
KI im EinsatzSEO und GEO beim Website-Relaunch: So wird die neue Website bei Google und KI gefunden
Was passiert bei Google, wenn man eine gewachsene Website komplett neu baut? Unsere Erfahrungen mit Pfaden, Weiterleitungen, Indexierung und KI-Agenten.
- 03
KI im EinsatzMCP einfach erklärt: So verbindest du KI mit deinen Marketing-Tools
MCP ist der Standard, über den Claude, ChatGPT oder Copilot direkt in HubSpot, Notion, Canva und Co. arbeiten. Was dahintersteckt, wie du die erste Verbindung einrichtest und worauf du bei der Sicherheit achtest.