Bin ich als Marketingprofi bald ersetzbar? Florian und Dr. Vroni über zwei Welten im Marketing

Zwischen Angst und Aufbruch: Ein ehrliches Gespräch über KI Marketing, was sich ändert, was bleibt und wie du dich auf die KI Marketing Zukunft vorbereitest.

Inhaltsverzeichnis

KI im Marketing: Verändert sich gerade dein Beruf, oder deine ganze Branche?

KI im Marketing ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern gehört zum Alltag in vielen Teams. Gleichzeitig fragen sich immer mehr Marketerinnen und Marketer: Wohin geht die Reise? Welche Aufgaben übernimmt künstliche Intelligenz tatsächlich? Was bleibt beim Menschen? Und wie bereite ich mich auf die KI Marketing Zukunft vor, ohne dem nächsten Tool-Hype hinterherzurennen? In diesem Beitrag kommen zwei Stimmen zu Wort, die sehr unterschiedliche Perspektiven auf das Thema haben – und die gerade deshalb ein realistisches Bild zeichnen.

Wer spricht hier, und warum solltest du zuhören?

Dr. Vroni Hackl ist die Co-Gründerin hinter dem KI Marketing Bootcamp. Sie berät täglich Marketing-Teams, die den Sprung in die KI-Welt schaffen wollen, und sieht aus erster Reihe, welche Skills gerade gefragt sind, welche verschwinden, und was tatsächlich funktioniert, wenn Menschen anfangen, mit KI zu arbeiten. Ihre Stärke: Sie kennt nicht nur die Tools, sondern versteht auch die Menschen dahinter. Und sie redet Klartext, auch wenn’s unbequem wird.

Florian Kaspar „Flo” ist Self-Employed Recruiter mit einer besonderen Nische: Er vermittelt GTM Engineers (Go-to-Market Engineers) im deutschsprachigen Raum, eine Rolle, die erst vor rund zwei Jahren entstanden ist und von der die meisten noch nie gehört haben. Weniger als 200 dieser Experten gibt es aktuell in Deutschland. Flo sitzt also am ganz neuen Rand des Marktes und sieht, was sich gerade formt.

Zusammen decken die beiden zwei Welten ab: Vroni den Alltag derjenigen, die aus dem klassischen Marketing kommen und sich orientieren müssen. Flo die Spitze einer neuen Berufsrichtung, die noch kaum jemand einordnen kann. Genau deshalb ist das Gespräch so interessant, es zeigt beide Seiten ohne Beschönigung.

Für wen ist dieser Beitrag?

Damit du dich gleich einordnen kannst, hier drei Lesertypen, an die wir besonders gedacht haben:

  • Du arbeitest in einem Marketing-Team im Mittelstand und fragst dich, ob dein Job in zwei Jahren noch existiert. Für dich ist vor allem Teil 1 wichtig.
  • Du bist erfahrene Marketerin und willst wissen, wo du dich strategisch neu positionierst, ohne deine Erfahrung wegzuwerfen. Für dich sind Teil 1 und das Fazit am wichtigsten.
  • Du spürst, dass diese ganze „neue Welt” dich reizt, GTM Engineer, KI-Automatisierung, Agenten, und du suchst Klarheit, ob das wirklich dein Pfad ist. Für dich ist Teil 2 das Herzstück.

Wenn du in keiner dieser Schubladen ganz sitzt: lies trotzdem weiter. Die Wahrheit liegt meistens an den Rändern.

KI Marketing zwischen Hype und Mittelstandsalltag

Wer gerade in einem mittelständischen Unternehmen mit KI im Marketing arbeitet, spürt die Zweiteilung sehr deutlich: Auf der einen Seite liest man täglich von Stellenabbau im klassischen Marketing, von KI-Tools, die schreiben, gestalten, planen. Auf der anderen Seite hört man von neuen Rollen, explodierenden Gehältern, Leuten, die „mit KI alles automatisieren”. Beides stimmt. Aber beides ist auch nicht die ganze Wahrheit, und genau das macht die Frage nach der KI Marketing Zukunft so knifflig.

Deshalb teilen wir diesen Beitrag in zwei Teile:

Teil 1

nimmt die ehrliche Angst ernst und macht klar, worauf du jetzt aktiv achten musst: Was wird durch KI sogar wichtiger, und wo musst du dafür schärfer werden, statt einfach weiterzumachen wie bisher?
 

Teil 2 schaut auf das, was neu entsteht: Welche Rollen wachsen? Und für wen ist das überhaupt relevant?

TEIL 1  – KI im Marketing: Die ehrliche Frage, ob du ersetzt wirst

„Flo, wie steht es wirklich um klassische Marketer gerade?”

„Es stimmt, dass im klassischen Marketing Stellen abgebaut werden. Aber das bedeutet nicht, dass man keine Marketeers mehr braucht. Es ist einfach eine Verschiebung von dem, was die Firmen brauchen.”

Wichtig hier: „Klassisches Marketing” heißt nicht „alles, was du machst”. Es heißt vor allem: repetitive Aufgaben, Standardcontent, einfache Produktionsstrecken. Die tiefen Fähigkeiten – Markenverständnis, Zielgruppen-Tiefe, Kunden- und Stakeholder-Beziehungen, strategische Planung – werden eher wichtiger, nicht unwichtiger.

Was KI im Marketing heute wirklich ersetzt, und was nicht

Weil wir die ehrliche Liste niemandem ersparen wollen:

Was KI heute tatsächlich übernimmt​

Routine-Texte (Produktbeschreibungen, Standard-Posts)

Unterstützung bei der Keyword-Recherche & SEO-Analysen

Standard-Reporting und Datenaufbereitung
 
Bildgenerierung für Standardformate
 
Social-Media-Scheduling und einfache Antworten
 
Erste Entwürfe, Übersetzungen, Zusammenfassungen
 
Transkripte, einfache Auswertungen

Was weiterhin beim Menschen bleibt

Markenstrategie und Positionierung

Tiefes Zielgruppenverständnis mit Branchen-Know-how
 
Kundenbeziehungen, besonders im B2B
 
Creative Direction mit klarer Haltung
 
Interne Stakeholder-Navigation, Politik im Haus
 
Krisenkommunikation, Pressearbeit mit Beziehungen
 
Messe-, Event- und Community-Arbeit mit echten Menschen

Die Angst, komplett ersetzt zu werden, ist dort unbegründet, wo deine Arbeit auf Urteilsvermögen, Kontextwissen und echten Beziehungen beruht, vorausgesetzt, du investierst aktiv in genau diese Fähigkeiten. Sich darauf zu verlassen, dass es schon irgendwie weitergeht, ist die gefährlichste Strategie. Die Tools werden Bestandteil deiner Arbeit werden, und wer sie nicht nutzt, arbeitet langsamer als Kolleginnen, die sie nutzen.

„Vroni, wie spaltet sich die Marketing-Welt gerade auf?”

„Pi mal Daumen sind das wahrscheinlich so 15 bis 20 Prozent der Leute, die KI grundlegend ablehnen. Dann gibt’s eine große Mitte, die sich gerade orientiert. Und ungefähr ebenso viele, die das Ganze als Befreiung sehen, die hyperkreative Kampagnen bauen, die vorher schlichtweg schon an Ressourcen gescheitert wären.”

Wenn du dich gerade in der Mitte siehst: Das ist der richtige Ort. Nicht der falsche. Die Mitte ist die größte Gruppe und zugleich die entscheidende. Was Vroni aber auch sagt: stehen bleiben darf man dort nicht.

„Vroni, wo wird der Mensch durch KI sogar wichtiger?”

„Der Wert menschlicher Begegnungen wird zunehmen. Ich spreche mit Unternehmen, die Messen eigentlich komplett gecancelt hatten und die jetzt plötzlich wieder eine Rolle spielen. Das hätten wir vor zehn Jahren nicht gedacht.”

Flo bestätigt aus seiner Recruiting-Praxis, was passiert, wenn jemand wirklich persönlich auftritt, und liefert dabei einen ehrlichen Twist:

„Ich bin in meinem ersten Monat an den Start gegangen und habe jedem GTM Engineer in Deutschland eine Sprachnachricht geschrieben. Mehr als einmal kam zurück: ‚Welches Tool hast du dafür benutzt? Es klingt sehr gut.‘ Die Leute konnten es nicht glauben, dass ein Recruiter ihnen wirklich eine persönliche Nachricht schickt. Die Answer-Rate war gigantisch.”

„Vroni, was ist die größte Gefahr beim KI-Einsatz?”

„Wir reden vom Cognitive Offloading, also vom Abladen kognitiver Prozesse. Das haben Menschen immer schon gemacht, wir haben immer schon Einkaufszettel geschrieben. Nur sind die Prozesse heute viel komplexer geworden. Und wenn wir jetzt unser Denken auslagern, dann haben wir, egal ob als GTM Engineer oder in einer anderen Stelle, einfach echt schlechte Karten.”

Vroni illustriert das im Gespräch mit einem kleinen Trick, und zeigt damit genau, was sie unter wachem Denken meint:

„Wie viele Tiere von jeder Art hat eigentlich Moses mit auf die Arche genommen? Was meinst du?”

„Genau zwei, Männlein und Weiblein.”

„Ja, es war halt der Noah.”

Genau diese kleine Sekunde des Innehaltens, „Moment, stimmt das überhaupt?” ist das, was wir im Umgang mit KI nicht verlieren dürfen. Auch wenn die Antwort flüssig und überzeugend klingt.

Flo stimmt zu und macht eine spannende Beobachtung aus seinem Recruiting-Alltag: Im privaten Gebrauch laufen Menschen schneller in die Offloading-Falle. In Teams dagegen bleibt man wacher, weil ein Vier-Augen-Prinzip mitläuft.

„Im Team wird das, was Claude geschrieben hat, sofort hin- und hergeschickt. Da schauen mehr Leute drauf und sagen: ‚Hm, was dir Claude da erzählt hat, das kann ja gar nicht sein.‘ Da bleibt man bei der Sache.”

Daraus folgt aber kein Zurücklehnen, sondern das Gegenteil: Eure jahrelang trainierte Fähigkeit, kontextsensibel zu denken und zu hinterfragen, ist genau das, was KI nicht selbst kann, aber nur, wenn ihr sie auch bewusst einsetzt und nicht nebenbei mitlaufen lasst.

„Vroni, woran erkenne ich, dass ich KI-kompetent bin?”

„Es gibt eine Dimension der KI-Kompetenz, die ich in den Schulungen propagiere: Integrationskompetenz. Damit meine ich: Wo sollte ich KI überhaupt einsetzen, und noch wichtiger: wo besser nicht? Diese Unterscheidung zu treffen, schafft man heute nur mit zunehmender Erfahrung im KI-Bereich.”

Das ist eine Aussage, die viel Druck rausnimmt: Du musst nicht überall KI einsetzen. Du musst lernen, wann sie sinnvoll ist und wann nicht. 

„Flo, was sagst du Leuten, die KI-FOMO haben?”

„Es gibt gefühlt 10.000 Tools. Claude bringt alle fünf Minuten ein neues Feature raus. Aber das allermeiste davon brauchst du nicht. Schau dir an: Was hast du für Aufgaben auf deinem Tisch? Wie kannst du das besser zusammenpuzzeln? Dann kommst du auf eine Handvoll Tools, die für dich relevant sind.”

💡 TIPP-BOX 1: Drei Hebel, mit denen du deinen Kern schärfst, statt nebenbei mitzulaufen

Für klassische Marketer, die KI bewusst einsetzen wollen, nicht halbherzig, sondern als echtes Werkzeug, das ihren Mensch-Faktor sichtbarer macht.

  1. Schnelle Umsetzung statt langer Vorbereitung.
    Eine 30-seitige Branchenanalyse zur pitch-fertigen 5-Slides-Präsentation. Eine Stakeholder-Mail, die normalerweise einen halben Tag braucht, in 20 Minuten. Mit Tools wie Claude, Claude Code oder Claude Cowork machst du den ersten Wurf in einem Bruchteil der Zeit, und steckst die freigewordenen Stunden in das, was KI nicht kann: Kundengespräche, Marktbeobachtung, Strategiearbeit. Das ist der eigentliche ROI: Nicht weniger arbeiten, sondern an den richtigen Stellen mehr.
  1. KI als kritischer Gegenleser
    Wenn du etwas geschrieben hast, Briefing, Konzept, Pitch, lass eine KI die Gegenposition einnehmen: „Was sind die drei schwächsten Argumente hier? Wo würde ein Skeptiker einhaken? Welches Detail übersehe ich?” Du bleibst Autorin. Aber dein Output wird schärfer, weil du die Lücken vorher findest, nicht erst im Termin.
  1. Tiefe statt Tools-Sammeln.

    Statt zehn Tools mittel zu beherrschen: zwei oder drei wirklich gut. Lerne, wie du mit Claude oder ChatGPT komplexe Recherchen strukturierst, wie du Kontext sinnvoll lieferst, wie du iterativ verbesserst, wie du Analysen für Stakeholder aufbereitest. Das sind die Skills, die dich vom „Ich nutze auch ChatGPT”-Marketer abheben.

⚠  Achtung – Vronis Warnung gilt:
„Auch mal mit ChatGPT, aber sonst wie immer” ist die lauwarme Mitte. Genau die wird austauschbar. Doubeln heißt: bewusst und sichtbar nutzen, oder bewusst weglassen. Halbherzig hilft niemandem.

TEIL 2  –  KI Marketing Zukunft: Neue Felder, neue Rollen

„Flo, was entsteht eigentlich gerade an neuen Jobs?”

Flo sitzt an der Schnittstelle einer neuen Welt, und seine Beobachtung ist spannend, auch wenn sie nicht für alle sofort relevant ist.

„Ich beschreibe den GTM Engineer immer als Agenten-Babysitter. Heute sind das die Leute, die spielerisch mit KI gearbeitet haben, immer schon an der Technik dran waren, oder zufällig in einer Firma gelandet sind, in der schon viel mit KI gearbeitet wurde. Davon gibt’s in Deutschland derzeit weniger als 200.”

Was diese Rolle konkret tut: KI-Agenten bauen, Vertriebs- und Marketingprozesse automatisieren, Tools wie n8n oder Apify verbinden, und dabei gleichzeitig in Umsatz, Pipeline und Kundenerlebnis denken. Es ist kein reiner Tech-Job, aber auch kein klassischer Marketing-Job.

„Flo, hast du ein konkretes Beispiel?”

„Ein sehr cooler Use Case ist in der Chemiebranche. Da kommen neue Patente raus. Das heißt, es braucht eigentlich jemanden, der jetzt in der Patentdatenbank schaut oder auf LinkedIn: Was macht die Konkurrenz?”

Klassisch lief das so: Ein Vertriebler durchforstet manuell Patentdatenbanken, ein Techniker prüft, wo die eigene Maschine zu dem neuen Patent passt, und das Marketing baut irgendwann eine Broschüre dazu. Drei Personen, drei Tage. Mit KI-Agenten, sagt Flo, sieht das anders aus:

„Wenn wir das auslesen können mit AI, wenn wir das gegenprüfen können mit unserem Katalog mit AI und selber eine Broschüre schreiben können mit AI, dann können wir unserem Vertriebsmitarbeiter heute schon ein Briefing geben: ‚Hey, schau her, die haben das rausgebracht. Das ist das Produkt. So passt das auf uns drauf. Das ist der Ansprechpartner, vielleicht sogar schon die Telefonnummer rausgesucht.‘ Und dann muss der in Anführungsstrichen nur noch anrufen.”

Was passiert, wenn die Agenten versagen? – Der Mensch im Loop

Bei Use Cases wie der Chemie-Geschichte drängt sich eine Frage auf: Was, wenn der Agent das falsche Patent erfasst? Die Broschüre Quatsch zusammenstellt? Den Vertriebler an den falschen Ansprechpartner verweist? Genau hier liegt der unterschätzte Kern dieser Welt, und Vronis fachliches Heimspiel, denn der „Human-in-the-Loop” war das Thema ihrer Doktorarbeit.

„Vroni, was bedeutet Human-in-the-Loop konkret, und warum ist das genau jetzt so wichtig?”

„Der Human-in-the-Loop ist tatsächlich auch mein Thema, das war das Thema meiner Doktorarbeit. Der Mensch im Loop ist nicht nur notwendig aus regulatorischer Perspektive, sondern auch sehr sinnvoll im Prozess. Differenzierung erreicht man immer noch am besten über den Faktor Mensch. Und da lässt sich vieles trainieren: kritisches Denken, das Navigieren von Unsicherheiten, ethische Aspekte, die müssen ja immer mitberücksichtigt werden.”

Was das für Marketer im Mittelstand heißt: Selbst in einer Welt voller Agenten und Automatisierungen wird der Mensch im Loop nicht überflüssig, sondern wertvoller. Weil jemand entscheiden muss, wann der Agent richtig liegt und wann nicht. Wer das beurteilen kann, ist gefragt. Und das lässt sich trainieren: kritisches Denken, Umgang mit Unsicherheit, ethisches Urteilsvermögen, genau die Dimensionen, die Vroni in ihrer KI-Kompetenz-Forschung herausarbeitet.

Und vielleicht der größte ehrliche Punkt: Wer den Mensch-im-Loop ernst nimmt, ist nicht der Bremser im Team, er oder sie ist die Person, die am Ende verhindert, dass das ganze System gegen die Wand fährt.

💡 TIPP-BOX 2: Positionierungs-Tipp, für alle, die sichtbar werden wollen

Egal ob du deinen aktuellen Job behalten oder dich neu positionieren willst: Zeig, was du kannst, nicht nur, was du gemacht hast.

  • Welche konkreten Projekte hast du mit KI oder smarten Tools verbessert? (Auch kleine zählen: „Habe mit Claude einen Pitch in zwei statt zehn Stunden vorbereitet.”)
  • Welche Prozesse im Team hast du schlanker gemacht?
  • Welche Ergebnisse hast du damit erzielt? (Zeit gespart, Qualität gesteigert, neue Ideen umgesetzt.)
  • Welche Tools hast du getestet und wieder verworfen? Das zeigt Urteilsvermögen, und ist fast wertvoller, als zehn Tools zu nennen.

 

Flos Extra-Tipp: Wer wirklich in die KI-Marketing-Nische will, lernt schneller in jungen Growth-Companies als in großen Konzernen. Dort wird man ans Steuer gelassen.

Nicht jede KI-Marketing-Welle lohnt sich

Weil es ein Gespräch mit Ehrlichkeitsanspruch ist, darf auch hier Skepsis rein, und die kommt von beiden Seiten:

Nicht jeder Workflow lohnt sich. Flo sagt selbst: Für einen einmaligen Event wie ein Info-Webinar braucht es nicht immer einen ausgefeilten Backend-Prozess. Manchmal ist die einfache Lösung die bessere. Und manche der aktuell gefeierten Automatisierungen sind in sechs Monaten überholt, weil sich die Tool-Landschaft ständig verschiebt.

Nicht jeder GTM-Engineer-Weg führt zum Glück. Es gibt keinen klaren Ausbildungspfad für diese Rolle, keine Zertifikate, die Türen öffnen. Wer da rein will, muss sich selbst einen Weg bauen – mit viel Eigeninitiative. Für manche ist das Freiheit, für andere Überforderung.

Die 15-20% KI-Ablehner sind keine Randerscheinung. Vroni macht deutlich: Diese Gruppe wird nicht einfach verschwinden. In vielen Mittelstandsunternehmen sitzt sie in Entscheiderpositionen. Das heißt für Marketing-Teams: Der Spagat zwischen internem Beharren und externem Druck wird zum Alltag.

Die Schere zwischen Jung und Erfahren geht auseinander. Junge Berufstätige, die mit KI-Tools groß werden, holen Senior-Expertise schneller ein, als einem lieb ist. Das ist keine Ausrede zum Nichtstun, aber eine Realität, die man als erfahrene Marketerin aktiv drehen kann, indem man das eigene Erfahrungswissen mit den neuen Werkzeugen kombiniert. Das ist die Kombination, die ungeschlagen ist.

Vroni bringt es im Gespräch auf einen Satz, der einen für eine Sekunde innehalten lässt:

Aus meiner Sicht haben wir nur zwei Möglichkeiten: Entweder Dinge umzusetzen, die vorher nie möglich waren. Oder das andere Extrem, wieder in den Menschenmodus zu gehen und Dinge selbst zu machen. Alles, was in der Mitte passiert, wird in Zukunft vermutlich austauschbar sein oder die Leute gar nicht mehr erreichen.”

Das ist die provokante Pointe des Gesprächs: Entweder du machst etwas, das ohne KI nicht ginge. Oder du machst etwas, das so menschlich ist, dass keine KI es ersetzen kann. Die lauwarme Mitte – „auch mal mit ChatGPT, aber sonst wie immer” – ist der gefährlichste Ort.

Fazit: Zwei Wahrheiten nebeneinander

Die ehrliche Antwort auf die Titelfrage lautet: Nein, du bist nicht ersetzbar. Und ja, dein Berufsbild verändert sich.

Beides stimmt. Nebeneinander.

Wer aus dem klassischen Marketing kommt, muss nicht plötzlich GTM Engineer werden. Dein Kern – Markenverständnis, strategisches Denken, Beziehungsarbeit – bleibt wertvoll. KI im Marketing ergänzt deine Arbeit, sie ersetzt sie nicht. Dein Job ist, die richtigen Stellen zu finden, an denen du die neuen Werkzeuge einsetzt, und die Stellen, an denen du weiterhin mit Erfahrung und Urteilsvermögen glänzt, zu schützen und auszubauen. Eine gezielte KI Marketing Weiterbildung kann dabei der stärkste Hebel sein – nicht weil du alles können musst, sondern weil du dadurch souverän entscheidest, was du wann nutzt.

Wer in die neue Welt will, die Flo beschreibt, findet dort viele Chancen – aber auch viel Hype, wenig klare Pfade und ein Tempo, das nicht für alle passt. Das ist weder Paradies noch Sackgasse, sondern schlicht: eine andere Straße.

Die Wahrheit dieser Gespräche ist weder „alle raus” noch „alle rein”. Sie ist: Überlege, welche Rolle zu dir passt. Und lerne so viel dazu, dass du dich nicht treiben lassen musst.

Vielleicht der schönste Satz aus dem Gespräch fiel zum Schluss – eher beiläufig, aber genau richtig.

„Es lohnt sich, Anfänger zu bleiben.”

„Definitiv. Es ist eine Riesen-Chance, wenn man zugibt, dass man in einem Moment einfach mal der Dümmste im Raum ist. Dann hat man eine Lernkurve, und die bringt einen nach vorne.”

Falls du magst: Zwei offene Türen

Du musst nach diesem Beitrag nichts tun, er soll vor allem Einordnung geben. Falls du aber spürst, dass eine der beiden Welten gerade zu dir passt, sind Vroni und Flo beide ansprechbar. Ohne Druck, ohne Verkaufsgespräch. Such dir aus, was passt, oder lies einfach weiter im nächsten Beitrag.

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