Lumo von Proton: der datenschutz-kompromisslose KI-Assistent im Test

Das ist Teil 3 unserer Testreihe zu europäischen KI-Alternativen. Wie wir testen und welche Tools noch dran sind, findest du in der Übersicht: Europäische KI-Alternativen im Test.

Wenn du KI nutzt, aber ein mulmiges Gefühl bei sensiblen Inhalten hast, ist Lumo genau für dich gebaut. Der Assistent kommt von Proton, den Machern des verschlüsselten Mail-Diensts, und stellt Datenschutz kompromisslos an die erste Stelle. Nach dem Allrounder Mistral Vibe und der Suche xprivo ist Lumo unser dritter Kandidat.

Vorweg, weil es fair ist: Um ein Tool wirklich zu beurteilen, müsste man es über Monate mit echten Projekten nutzen. Wir machen hier einen kleinen, immer gleichen Test, der nicht den vollen Umfang abdeckt, sondern nur einen Ausschnitt zeigt. Für einen ersten Eindruck reicht das, und du kannst ihn in zehn Minuten selbst nachstellen.

Lumo ist Protons verschlüsselter KI-Assistent aus der Schweiz

Lumo kommt von Proton, dem Schweizer Unternehmen hinter Proton Mail und Proton VPN. Der Fokus liegt komplett auf Privatsphäre: Deine Chats sind mit Zero-Access-Verschlüsselung geschützt, Proton führt keine Logs, und deine Eingaben werden nicht zum Training von Modellen genutzt. Die App ist Open Source, es gibt einen Ghost-Modus für Unterhaltungen, die nach dem Schließen verschwinden, verschlüsselte Projekt-Workspaces, eine Websuche und die Analyse hochgeladener Dateien.

Einordnung fürs Label: EU-gehostet, gemischte Modelle. Proton sitzt in der Schweiz, betreibt Lumo aber auf eigenen Servern in Deutschland. Der Grund dahinter ist bemerkenswert und passt genau zum Thema dieser Serie: Wegen eines geplanten Schweizer Überwachungsgesetzes verlagert Proton seine Infrastruktur schrittweise aus der Schweiz nach Deutschland und Norwegen, und Lumo war das erste Produkt, das umgezogen ist (Hauptsitz und Policy-Team bleiben in Genf). Ein Punkt, der oft missverstanden wird: Nach eigenen Angaben gibt Proton deine Anfragen nicht an Dritte wie OpenAI oder Anthropic weiter, die Modelle laufen selbst gehostet auf Protons Servern. „Alles europäisch“ scheint bei den Modellen aber nicht ganz zuzutreffen. Soweit sich das öffentlich nachvollziehen lässt, ist es ein Mix offener Modelle unterschiedlicher Herkunft, darunter Mistral aus Frankreich, aber wohl auch OLMo aus den USA und ein Modell auf Basis des chinesischen Qwen. Ganz sicher sagen lässt sich das schwer, weil Proton die vollständige Modell-Liste und das Routing nicht offenlegt. Genau deshalb ordnen wir Lumo nicht als reines „Modell made in EU“ein.

Kosten: Es gibt eine kostenlose Version mit begrenzten Nachrichten, einem Projekt und knapper Chat-Historie. Lumo Plus kostet rund 13 Euro im Monat (oder etwa 120 im Jahr) und bringt unbegrenzte Chats, mehr Verlauf, größere Datei-Uploads und die stärkeren Modelle. Wer schon Proton Unlimited hat, bekommt Lumo mit dazu.

Unser Test: aus generischem Werbetext echte Markenstimme machen

Wie bei jedem Tool der Serie nutzen wir denselben kleinen Sprach-Test. Wir geben dem Tool einen bewusst generischen, floskeligen Werbetext für unsere Weiterbildung „AI Content Manager“ und bitten es, daraus einen Text in unserer Markenstimme zu machen: „du“ statt „Sie“, direkt, ohne Werbe-Sprech, optimiert auf Lesefluss, Zielgruppe, Mehrwert und Story. Wir schauen dabei nur auf die Sprache.

Wichtig zum Aufbau: Wir geben Lumo im selben Prompt auch ein paar echte Textproben von uns als Stimm-Vorlage mit. Nur so kann eine KI unseren Ton überhaupt treffen. Diese Proben zeigen wir hier im Beitrag bewusst nicht, das ist unser interner Stoff. Was wir zeigen, ist nur das Ergebnis.

Links der generische Ausgangstext, rechts das, was Lumo daraus gemacht hat:

Generischer Ausgangstext (das geben wir rein)Output von Lumo
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Den genauen Prompt-Aufbau und das Bewertungsraster findest du in der Übersicht zur Testreihe, dort kannst du den Test eins zu eins nachstellen.

Ordentlich für einen ersten Wurf: Lumo (Modell „Lumo 2.0 Max“) hat durchgängig auf „du“ umgestellt, mit einer Frage zugespitzt und sogar unseren Ton aufgegriffen, „Handwerk vor Magie“ liegt nah an Georgs „machbar, aber Handwerk, nicht Magie“. Zwei Patzer zeigen aber, dass es kein Selbstläufer ist: Lumo erfindet eine Erfahrung („Meine Erfahrung aus hunderten Kampagnen“), die so nicht stimmt, und behält ausgerechnet die Floskel „Wettbewerbsvorteil“, die wir eigentlich loswerden wollten. Ergebnis: ein starker Rohtext, den man vor dem Verwenden aber gegenlesen und entschlacken muss.

Was unabhängig vom Test auffällt, ist der Datenschutz-Ansatz. Kein anderes Tool im Test macht so klar, dass deine Inhalte bei dir bleiben. Für vertrauliche Entwürfe, Strategien oder Kundendaten ist das ein echter Unterschied.

Wo es hakt, und was man länger testen müsste

Die Gratis-Grenzen sind spürbar: begrenzte Nachrichten, nur ein Projekt, wenig Verlauf. Für regelmäßiges Arbeiten brauchst du Lumo Plus. Bei der reinen Antwortqualität berichten mehrere Tests, dass Lumo (noch) nicht ganz an die großen US-Modelle heranreicht, gerade bei komplexen Aufgaben. Und ein Hinweis zur Einordnung: Trotz Open-Source-Anspruch legt Proton nicht alles offen, etwa das System-Prompt und die Logik, welches Modell eine Anfrage beantwortet. „Open“ heißt hier also nicht „komplett transparent“. Ob Lumo bei anspruchsvollen Marketing-Aufgaben mithält, müsste man über mehrere Wochen prüfen.

Für wen sich ein eigener Blick lohnt

Lumo ist die naheliegende Wahl, wenn Datenschutz für dich nicht verhandelbar ist, etwa bei vertraulichen Inhalten, sensiblen Kundendaten oder in regulierten Branchen. Wer ohnehin im Proton-Ökosystem unterwegs ist, bekommt den Assistenten fast geschenkt dazu. Für schnelle, unkritische Alltagstexte reicht der Funktionsumfang locker, für den kreativen Feinschliff lohnt der Vergleich mit Vibe.

Take-away: Nimm dir eine Aufgabe, bei der dir Datenschutz wichtig wäre, und lass sie einmal von Lumo im Ghost-Modus erledigen. Der Free-Account reicht für den ersten Eindruck. So merkst du schnell, ob dir die Ruhe „meine Daten bleiben hier“ den möglichen Qualitätsunterschied wert ist.


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