---
titel: "Photoshop mit Claude nachgebaut: Was PhotoCraft über den Wert von Software verrät"
kurztitel: "Reverse Engineering mit KI"
teaser: "Ein Entwickler baut Photoshop mit Claude in wenigen Tagen nach, ein Open-Source-Werkzeug namens REA zerlegt jede Software. Was Reverse Engineering ist, was der Nachbau wirklich kann und was für Marketing-Teams daraus folgt."
rubrik: strategie
datum: 2026-10-29
autor: "Dr. Vroni Hackl"
wichtigste_kuerze: "Reverse Engineering heißt, eine Software von außen zu verstehen und nachzubauen. Mit KI-Agenten dauert das Tage statt Jahre: Im Oktober 2026 erschien mit PhotoCraft ein quelloffener Photoshop-Nachbau, geschrieben mit Claude. Das Werkzeug REA (Reverse Engineer Anything) schließt KI-Agenten über MCP an Analyseprogramme an. Für den Profi-Alltag reichen die Nachbauten noch nicht. Für Marketing-Teams folgt daraus: Software zu bauen ist billig geworden, sie zu pflegen und gut zu nutzen nicht."
lesezeit: 7
tags:
  - "Reverse Engineering"
  - "REA"
  - "PhotoCraft"
  - "Photoshop Alternative"
  - "MCP"
  - "Software selbst bauen"
seo_title: "Photoshop mit Claude nachgebaut: PhotoCraft erklärt"
seo_description: "PhotoCraft baut Photoshop mit Claude nach, REA zerlegt jede Software: Was Reverse Engineering mit KI ist und was es für Marketing-Teams heißt."
hero_bild: ./hero.webp
hero_bild_alt: "Zwei Glaswürfel vor Teal: links ein massiver Block, teils hinter Riffelglas, rechts ein von vorn gleicher Würfel, der innen hohl ist und feine Risse hat"
titelbild_pur: true
entwurf: false
---

Anfang Oktober stellt ein Entwickler einen kostenlosen Photoshop ins Netz. Geschrieben hat ihn größtenteils Claude, in wenigen Tagen. Kurz darauf folgen Premiere, Lightroom und Illustrator. Die Reaktionen schwanken zwischen „Adobe ist erledigt“ und „alles nur Demo“. Beides greift zu kurz. Der Nachbau zeigt etwas anderes: Software lässt sich jetzt kopieren. Das Können, sie gut zu nutzen, nicht.

## PhotoCraft ist ein Photoshop-Nachbau, den eine KI in Tagen geschrieben hat

PhotoCraft ist ein kostenloses, quelloffenes Bildbearbeitungsprogramm, das Photoshop nachbildet. Gebaut hat es Brandon Thomas mit seinem Projekt ArtCraft. Laut [VICE](https://www.vice.com/en/article/everything-we-know-about-the-free-adobe-clones-built-with-ai-do-they-actually-work/) und Ars Technica schrieb er den Code mit Claude Opus 5.5. Sein Motiv: Ärger über Adobes Kündigungsgebühren.

Zwischen dem 2. und 7. Oktober 2026 erschienen [vier Versionen](https://www.cloudmagazin.com/2026/10/08/photoshop-nachbau-in-einer-woche-closed-source-wankt/). Dazu kamen Nachbauten von Illustrator, Premiere und Lightroom. PhotoCraft kann Ebenen, Masken, Einstellungsebenen, Text, Vektoren und Pinsel. Es öffnet PSD-Dateien: Von 309 Testdateien behalten [307 beim Speichern ihr Aussehen](https://github.com/storytold/photocraft).

Das ist beachtlich. Es ist aber noch nicht die ganze Geschichte.

## Reverse Engineering heißt, eine Software von außen zu verstehen

Reverse Engineering bedeutet, ein fertiges Produkt zu untersuchen, um herauszufinden, wie es funktioniert. Bei Software gibt es dafür zwei Wege, und sie werden gerade ständig vermischt.

**Der Clean-Room-Nachbau.** Du beobachtest, was ein Programm tut: Welcher Menüpunkt bewirkt was, wie sieht die Datei danach aus, wie reagiert ein Werkzeug auf eine Eingabe. Dann schreibst du ein neues Programm, das sich genauso verhält. Den Originalcode siehst du nie. So beschreibt sich PhotoCraft: gebaut aus öffentlichen Spezifikationen und beobachtetem Verhalten, ohne fremden Code.

**Das Dekompilieren.** Du nimmst das Programm selbst auseinander und übersetzt den Maschinencode zurück in etwas, das Menschen lesen können. Dafür gibt es seit Jahrzehnten Analyseprogramme wie Ghidra oder IDA.

| | Clean-Room-Nachbau | Dekompilieren |
|---|---|---|
| Wie | Verhalten beobachten, neu schreiben | Programmcode zurückübersetzen |
| Beispiel | PhotoCraft | REA mit Ghidra oder IDA |
| In Deutschland | [§ 69d Abs. 3 UrhG](https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__69d.html): beobachten, untersuchen, testen erlaubt | [§ 69e UrhG](https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__69e.html): nur, soweit nötig, damit Programme zusammenarbeiten |

Wer ein Programm rechtmäßig nutzt, darf es also beobachten und testen. Zurückübersetzen darf er es nur in engen Grenzen. Das ist keine Rechtsberatung. Es erklärt aber, warum PhotoCraft so großen Wert auf das Wort „Clean Room“ legt.

## REA macht aus jedem KI-Agenten einen Reverse Engineer

REA steht für „Reverse Engineer Anything“. Es ist ein kostenloses Werkzeug auf [GitHub](https://github.com/morluto/rea), das einen KI-Agenten an die bekannten Analyseprogramme anschließt. REA denkt nicht selbst. Der Agent entscheidet, was er sich als Nächstes ansieht, und REA führt es aus. Unterstützt werden unter anderem Desktop-Programme, Android-Apps, Websites und Firmware.

Die Verbindung läuft über MCP, das Model Context Protocol. Im Beitrag zum [Single Point of Work](https://marketing-ki.de/aktuelles/single-point-of-work-mcp-ki-kompetenz/) habe ich MCP so beschrieben: Es gibt dem KI-System Hände und Füße. Bei REA sind diese Hände eben Werkzeuge zum Zerlegen.

Seit Anfang Oktober geht REA durch die Decke. Laut [next.ink](https://next.ink/261039/rea-comment-un-projet-open-source-se-propose-de-tout-decompiler/) sprang die Aufmerksamkeit am 4. Oktober an, innerhalb einer Woche sammelte das Projekt über 120.000 Sterne auf GitHub. Inzwischen sind es rund 404.000 (Stand 29.10.2026). Die Entwickler schreiben dazu, REA sei nur für Software gedacht, die du besitzt oder untersuchen darfst.

Neu ist dabei nicht die Technik. Reverse Engineering ist so alt wie die Software selbst. Neu ist, dass es kein Spezialwissen mehr braucht. Was früher Wochen und ein Fachstudium gekostet hat, beschreibst du heute in einem Satz.

## Der Nachbau ist schneller fertig als brauchbar

Versprochen hatte der Entwickler 82 Prozent Übereinstimmung mit Photoshop. Die [Computerwoche](https://www.computerwoche.de/article/4237120/software-ist-bald-nichts-mehr-wert.html) hält dagegen, dass die Bug-Reports eine andere Sprache sprechen. Das Projekt selbst ist ehrlicher als die Schlagzeilen. Für 25 bis 35 Prozent der täglichen Profi-Arbeit könnte jemand umsteigen, schreibt es. Und über die eigenen Zahlen zu verknüpften Menüpunkten heißt es: Das „misst die Verkabelung, nicht das Verhalten“.

Den Satz würde ich mir an die Wand hängen. Ein Menüpunkt, der etwas auslöst, ist noch kein Werkzeug, das richtig arbeitet. Die größten Lücken liegen laut Projekt bei KI-Funktionen, fehlenden Werkzeugen und professionellen Arbeitsabläufen. Also genau dort, wo Photoshop im Agenturalltag seinen Preis rechtfertigt.

Eine Demo ist kein Werkzeug. Das gilt für PhotoCraft. Es gilt aber genauso für das Tool, das in deinem Team gerade jemand an einem Nachmittag gebaut hat.

## Was sich nicht nachbauen lässt, wird wertvoller

Wenn sich Software kopieren lässt, wohin wandert dann der Wert? [Cloudmagazin](https://www.cloudmagazin.com/2026/10/08/photoshop-nachbau-in-einer-woche-closed-source-wankt/) gibt eine nüchterne Antwort: Schwer zu kopieren bleibt, was nie beim Kunden landet. Dienste auf den Servern des Anbieters, gepflegte Daten, Anbindungen, Support.

Adobe hat seine Antwort übrigens schon im April gegeben, ein halbes Jahr vor dem Nachbau. Seitdem gibt es einen [Connector für Claude](https://developer.adobe.com/adobe-for-creativity/), über den ein KI-System rund 50 Werkzeuge aus Photoshop, Illustrator, Premiere und Lightroom bedient. Der Hersteller schottet sein Programm nicht ab. Er öffnet es für Agenten.

Ich sehe noch etwas, das nie im Code landet: die Fähigkeit zu beurteilen, ob ein Ergebnis gut ist. Ob die Retusche natürlich wirkt. Ob der Schnitt den Rhythmus hält. Ob die Farbkorrektur zur Marke passt. Diese Fähigkeit hat PhotoCraft nicht mitkopiert, und Photoshop hat sie nie verkauft. Sie gehört der Person vor dem Bildschirm.

Darum halte ich die Schlagzeile „Software ist bald nichts mehr wert“ für halb richtig. Die Bedienung einer Software verliert an Wert, das Menüwissen, die Tastenkürzel. Das Urteil darüber, was mit der Software entsteht, gewinnt. Im [AI Literacy Heptagon](https://marketing-ki.de/methodik-ai-literacy-heptagon/) ist Tool-Bedienung nur eine von sieben Dimensionen. Sie ist die, die am schnellsten veraltet.

## Selbst bauen lohnt sich für das, was es nicht zu kaufen gibt

Heißt das, dein Team sollte jetzt eigene Anwendungen bauen? Ja. Aber nicht die, die es schon gibt.

Ein Photoshop-Nachbau lohnt sich für ein Marketing-Team praktisch nie. Ein kleines Werkzeug für den eigenen Ablauf dagegen oft: ein Briefing-Generator, der eure Vorlagen kennt. Ein Prüfschritt, der vor jeder Freigabe Pflichtangaben kontrolliert. Ein Konverter für das eine Dateiformat, mit dem euer Kunde immer kommt. Solche Werkzeuge gibt es nicht zu kaufen, weil sie nur für euch Sinn ergeben.

Genau so sieht es in unseren Seminaren aus. Teilnehmende bauen dort inzwischen regelmäßig eigene kleine Werkzeuge. Einen Photoshop wollte dabei noch niemand nachbauen. Gebaut wird, was im eigenen Ablauf fehlt.

Wir haben das selbst durch. Unsere [Website haben wir mit KI neu gebaut](https://marketing-ki.de/ki-im-einsatz/wie-unsere-neue-website-entstanden-ist/). Den größeren Teil der Arbeit machte, was danach kam: Regeln, die verhindern, dass alte Adressen verschwinden. Prüfungen, die jedes hochgeladene Bild umwandeln. Eine Testumgebung, bevor etwas live geht. Bauen ist billig geworden. Pflegen nicht.

Wie du ohne Programmierkenntnisse einsteigst, steht in [Agent Coding im Marketing](https://marketing-ki.de/ki-im-einsatz/agent-coding-marketing-einstieg/). Was wir beim Bau von [24 Web-Apps](https://marketing-ki.de/aktuelles/vibecoding-wie-wir-24-web-apps-bauten-ohne-programmieren-zu-koennen-und-was-du-daraus-lernst/) gelernt haben, haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben.

## Praxis: Der Bauen-oder-Kaufen-Check in fünf Fragen

Bevor du oder jemand in deinem Team ein Werkzeug baut, beantwortet ihr diese fünf Fragen. Schriftlich, zehn Minuten.

1. **Gibt es das Werkzeug schon, und funktioniert es für dich?** Wenn ja, kauf es. Dein Nachbau wäre schlechter.
2. **Wer pflegt es, wenn die Person geht, die es gebaut hat?** Wenn die Antwort „niemand“ lautet, baust du Schatten-IT.
3. **Welche Daten fasst es an, und wer hat das freigegeben?** Kundendaten in einem selbst gebauten Tool sind eine Frage für den Datenschutz, nicht für den Feierabend.
4. **Kannst du beurteilen, ob das Ergebnis stimmt?** Wer nicht weiß, wie eine saubere Freistellung aussieht, erkennt auch keine schlechte.
5. **Was kostet dich ein Fehler darin?** Ein falscher Dateiname ist ärgerlich. Eine falsche Zahl im Kundenreport ist teuer.

Drei klare Antworten auf die Fragen 2, 3 und 4? Dann bau. Sonst kauf oder lass es.

## Häufige Fragen zu Reverse Engineering mit KI

**Was bedeutet REA?**
REA steht für „Reverse Engineer Anything“. Es ist ein kostenloses Open-Source-Werkzeug, das KI-Agenten über MCP an Analyseprogramme wie Ghidra oder IDA anschließt. Der Agent kann damit Programme untersuchen, ohne ihren Quellcode zu kennen.

**Ist Reverse Engineering legal?**
In Deutschland darfst du ein Programm, das du rechtmäßig nutzt, beobachten, untersuchen und testen (§ 69d Abs. 3 UrhG). Den Code zurückübersetzen darfst du nur, soweit es nötig ist, damit Programme zusammenarbeiten (§ 69e UrhG). Im Einzelfall entscheidet eine juristische Prüfung, nicht dieser Beitrag.

**Ist PhotoCraft eine echte Photoshop-Alternative?**
Noch nicht. Das Projekt sagt selbst, dass es Photoshop für die tägliche Profi-Arbeit nicht ersetzt. Für einfache Bearbeitungen und PSD-Dateien funktioniert es bereits.

**Brauche ich Programmierkenntnisse, um Software mit KI nachzubauen?**
Für kleine Werkzeuge nicht. Für alles, was zuverlässig laufen, Daten schützen und gepflegt werden muss, brauchst du jemanden, der versteht, was die KI da gebaut hat.

## Und jetzt?

Schau dir die Tools an, für die dein Team jeden Monat zahlt. Welches davon ist eigentlich nur ein Menü, das jemand nachbauen könnte? Und welches kann etwas, das kein Nachbau hat: Daten, Dienste, eine Gemeinschaft dahinter? Die Antwort sagt dir mehr über deinen Software-Stack als jede Schlagzeile über Adobe.
